Reise Bericht über Motorrad Tour in Brasilien anfang August 2002

Start war in Sao Paulo. Auf geliehenen Enduros ging es zunächst mal raus aus dieser Megametropole (18 Millionen Einwohner). Dies dauerte schon eine ganze Weile. Am Stadtrand angekommen, fuhren wir auf einer gut ausgebauten Strasse in Richtung Sao Vicente, das an der Küste des Atlantiks liegt. Weiter ging es nach Praia Grande. Zunächst entlang an der wunderschönen Strandpromenade dieser Stadt, bis wir erst einmal an einer der Strandbars halt machten und uns für ein paar Reais (Währung in Brasilien) eine riessen Portion frittierter Scampis reinzogen.

Gestärkt fuhren wir weiter nach Santos und setzten dort mit einer Fähre über. Man kann zwar auch über eine Schnellstrasse aussen rum fahren, ist aber so viel schöner.

Jetzt lassen wir die grösseren Städte hinter uns und steuern auf eine Küstenstrasse zu, genannt Rio Santos, wo eine Kurve um die andere wetteifert. Zum Teil durch Dschungelgebiete, zum Teil kleinere Bergstrecken - und immer das Meer vor Augen. Herrliche Buchten und Strände, kleine Dörfer - das ist die Strecke von Rio Santos. Einzigstes kleines Manko sind die immer wieder mal auftauchenden "Cebra molas", was soviel heisst wie "Federn Zerstörer". Diese ca. 10 cm hohen Bremshügel sind meist kurz vor und in Städten und Dörfern installiert um den Verkehr ab zu verlangsamen und sind nicht zu unterschätzen - vor allem Nachts, bei schlechter Beleuchtung.

Über Sao Sebastiao geht es nach Caraguatatuba. Hier fand gerade das alljährliche Bikertreffen "Motocycle" statt. Es zählt zu den grössten Treffen dieser Art und es sind zigtausend Motorradfahrer angereist aus allen Bundesstaaten Brasiliens. Anreisen von über 3000 km innerhalb einer Woche sind keine Seltenheit. Shows, Events aller Art und Livemusik gehören zum Programm und wir verbleiben für den Rest des Wochenendes hier, um dieses Spektakel mit zu erleben.

Am Montag, leicht verkatert aber voll motiviert, dann der zweite Abschnitt dieser wahnsinns Küstenstrasse. Auf nach Angra dos Reis. Angra liegt ca. 150 km westlich von Rio de Janeiro. Hier wohnen die Reichen von Brasilien - Familie Sena, Ronaldo, Pele usw. Ungefähr 360 Inseln und unzählige Buchten mit Traumstränden laden zum schwimmen, tauchen oder auch nur zum faulenzen ein. Und so bleiben auch wir zwei Tage an diesem herrlichen Fleckchen Erde, an dem man es ewig aushalten könnte. Am erste Tag machten wir einen Bootsausflug zu verschiedenen Inseln, am zweiten Tag besuchten wir eine Fazenda und machten eine Dschungel Reittour. Übernachtet haben wir in einer Pousada direkt am Meer mit hauseigenem Strand. Eingeschlafen mit dem Rauschen des Meeres im Ohr.

Im nun folgende Abschnitt verlassen wir den Küstenbereich und erreichen die Bergregion von Serra de Bogawa. Wir erklimmen die 1800m hohen Berge in Serpentinen und durch kleine Tunnels, umgeben von Urwald ähnlicher Vegetation. Es geht Richtung Barra Mansa. Auf der Hochebene angekommen, ändert sich das Bild der Landschaft. Es wird steppenhafter, bleibt aber leicht hügelig. Wir fahren entlang eines schönen kleinen Flusses. An einer Biegung halten wir an und genehmigen uns eine kleine Abkühlung im kühlen Nass ehe wir Barra Mansa erreichen.

Über Volta Redonda wollen wir nun nach Tres Rios. Die Strasse dorthin ist etwas breiter, etwas mehr befahren aber keineswegs weniger interessant. Die Landschaft wirkt noch einmal ein wenig trockener. Dies vermittelt insbesondere, die sowieso schon durch die rote Erde karg wirkenden Berge, nun in der Abendsonne wie Feuer wirkende Hügelkette. Es ist Abend als wir Tres Rios erreichen.

Am nächsten Tag wollen wir Rio de Janeiro erreichen. Die Strasse dorthin ist zwar vierspurig ausgebaut, dafür aber in einem nicht sonderlich guten Zustand. Ab Petropolis wird die Landschaft wieder bergiger, kurviger und grüner. Von Petropolis aus kann man schon, zumindest bei klarem Wetter, die noch ca. 100 km entfernte Kultmetropole erkennen. Also nichts wie runter nach Rio. Dort angekommen, natürlich erst einmal zur Copacabana. Bei einem Caipirinha (für nicht Alkoholiker gibt es kühle Kokosmilch) geniessen wir die herrlichen Ausblicke - nicht nur zum Zuckerhut ;-)

Der nächste Tag gehört dem Sightseeing. Zuckerhut und Christusstatue. Von hier aus kann man über die ganze Stadt sehen (ca. 5 Millionen Einwohner) und wir finden auch die 13 km lange Brücke, die Rio mit Niteroi verbindet - unsere Route für den nächsten Tag.

Über Niteroi und Sao Goncalo wollen wir nach Cabo Frio. Wir nehmen eine gut ausgebaute vierspurige Strasse, dafür müssen wir aber auch Maut bezahlen. Das Land wird flacher. Cabo Frio begrüsst uns mit seinem schneeweissen Sandstrand. Diese Stadt erinnert ein wenig an Venedig. Nicht das die Häuser im Wasser stehen, aber das von unzähligen Kanälen durchzogene kleine Städtchen vermittelt nicht den Eindruck auf dem Festland zu sein. Kleine Brücken verbinden die einzelnen Regionen der Stadt. Auch der Hafen und sein Fischhandel hat den Flair Italiens. Wir besuchen noch das Kap bei dem uns ein kräftiger kühler Wind um die Nase weht und jetzt weiss ich warum es Cabo Frio heisst - kaltes Kap ! Wir bleiben noch einen Tag mehr und machen einen kleinen Abstecher ins 60 km benachbarte Buzios. Der Urlaubsort der Highsociety mit dicken Jachten. Aber irgendwie hat auch das seinen Flair.

Wir haben den äussersten Punkt unserer Reise erreicht und es geht wieder westwärts nach Rio. Diesmal mehr an der Küste entlang. Über Saquarema fahren wir auf kleineren Landstrassen und über Dörfer wieder nach Niteroi und Rio zurück. Einen Tag Zwischenstopp in Rio bevor wir wieder Angra ansteuern, aber diesmal über eine Strecke die weiter südwärts verläuft als die, über die wir das erste mal Rio erreichten. Teils an der Küste entlang, teils im Landesinneren, teils über kleinere Berge, teils auf guten, teils auf schlechten Strassen erreichen wir Angra, wo wir noch einmal in unsrer Pousada rasten und einen Badetag einlegen.

Dann treten wir auch schon die Heimreise nach Sao Paulo an - natürlich wieder über unsere Traumstrasse Rio Santos über die wir schon vor 12 Tagen gekommen waren. Noch einmal durch Santos bevor wir in den Grossstadttrubel von Sao Paulo eintauchen ..........

Katastrophal ist die Beschilderung. Was auf der Karte ist, ist nicht auf den Schildern und umgekehrt. Ohne erfahrene Reisegleitung ein absolutes Abenteuer. Eine Firma zu finden die einem Motorräder ausleiht ist fast aussichtslos. Nachts zu fahren ist nicht zu empfehlen. Erstens verpasst man die schöne Landschaft, dafür findet man die vielen tiefen Schlaglöcher - meist aber zu spät, einmal abgesehen von diesen schon erwähnten, hinterlistigen Cebra molas.

Gegessen haben wir in ausgewählten Restaurants, die für alle was bieten. Entweder a la Cart (Fisch und andere Meerestiere, Gegrilltes....) oder vom Buffet mit allerlei Fleischsorten. Das Bier kann man trinken, ist aber nicht sehr rezent / gehaltvoll (Jetzt weiss ich wie wichtig das deutsche Reinheitsgebot ist :-)

Übernachtet haben wir in Pousadas (kleine Ferienappartements) oder einfachen Hotels (Rio). Die Sprache ist (brasilianisches) portugiesisch und ausser in Rio, Buzios oder anderen Touristenzentren (englisch), kommt man nur mit der Landessprache durch. 
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